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Mein Weg zum veganen Leben
Plötzlich vegan – ab jetzt nur noch Gemüse? (Rainer Sturm / pixelio.de)

Mein Weg zum veganen Leben

Die meisten von uns VeganerInnen beginnen ihr Leben wie jede/r andere auch, nämlich omnivor. Doch irgendwann kommt bei einigen Menschen der Punkt, an dem Sie beginnen, sich vegan zu ernähren. Warum und wie das bei mir so war, zeigt dieser Blogeintrag.

Seine eigene Biographie zu verfassen ist nichts, was man alltäglich tut. Dennoch möchte ich mich darin versuchen. Denn schließlich ist es keine außergewöhnliche Biographie sondern eine, wie sie alltäglicher nicht sein könnte. Aufgewachsen bin ich in einer Familie, in der eine soziale Einstellung irgendwie immer präsent war. So bin ich schon früh in der Pubertät gemeinsam mit meinem Vater und meinem Onkel auf die erste Demo zum Thema soziale Gerechtigkeit gefahren und ebenso früh wurde ich von meinem Cousin mit zum FC St. Pauli genommen, in die punkige, soziale und linke Fankurve. Beides begleitet mich bis heute. Soweit ist das vielleicht keine durchschnittliche Biographie, aber auch keine außergewöhnliche. Ebenso durchschnittlich war das Essverhalten in meiner Familie und meinem Umfeld. Es gab Fleisch, Käse, Eier – alles wie selbstverständlich und alles, ohne groß darüber nachzudenken. Das war wohl eben irgendwie so in den 80ern und 90ern. So war es für mich also Normalität, Salami-Pizza als meine Lieblingsspeise zu bezeichnen und alle möglichen Tierarten mal in gegrillter oder gebratener Form probiert haben zu müssen. Es war normal, in der Mittagspause zur Fast Food Kette des Vertrauens zu gehen oder sich irgendeine Schinken-Käse-Sonstwas-Backware beim Bäcker nebenan zu besorgen.

Zuerst kam der Vegetarismus

Das ging so bis es 2006 war. Im Jahre 2006 geschahen 2 Dinge, die die Wende einleiteten. Zum einen verbot es sich mir nach einer Fernsehreportage, bei der es eigentlich um den berühmten und größten Hersteller brauner Zuckerbrause ging, weiterhin zu dieser Kette mit dem goldenen Buchstaben zu gehen. Damals war der Rest noch rot, heute gibt man sich ja gesund und ist grün. Ziemlich zeitgleich grassierte mal wieder eine dieser immer häufiger auftretenden Schweine-Vogel-Rinder-Grippenseuchen und im Radio sagte jemand, warum wir all diese Tiere töten und verbrennen, statt unseren Überschuss in arme Regionen mit hungernden Mägen zu schicken, denn schließlich würde man dort lieber in 20 Jahren an irgendeiner Tierpest sterben als morgen an Hunger. Bei mir blieben also 2 Dinge hängen: McDonald’s ist scheiße und wir haben Fleisch in Überproduktion. Die Konsequenz war der Vegetarismus, also kein Fleisch mehr. Und auch kein Fisch, da war ich konsequent!

Denkste! Denn das war ich natürlich nicht. Es gab weiterhin Käse mit Naturlab, Gummibärchen mit gemahlenen Knochen und Schuhe mit Rinderhaut. Ich lernte nach und nach Menschen kennen, die vegan lebten und redete denen und auch mir ein, das könne ich nie. Der Käse und so, das kann ich auf keinen Fall. Außerdem sei ich doch so faul und selber kochen? Nee, echt nicht. Lieber statt Salami-Pizza nun Pizza 4 Käse meine Leib- und Magenspeise nennen. Doch irgendwie schweiften die Gedanken immer weiter in eine Richtung: Kann ich das nicht doch? Zumindest dachte ich immer häufiger an einen konsequenten Vegetarismus, also ohne totes Tier. Sojamlich war eh schon die Milch meines Vertrauens, denn Kuhmilch bekam mir sowieso nicht so richtig, die Sache mit der Laktose, wie ich heute vermute, aber damals geflissentlich ignoriere.

Ein neuer Weg

Den endgültigen Ausschlag gab mal wieder etwas, was ich erfuhr und vorher nicht wusste – die Sache mit dem Lab. Damals war mikrobielles Lab eher noch die Ausnahme, und mir fiel auf, dass konsequenter Vegetarismus bedeuten würde, dass ich zum Großteil sowieso auf Käse verzichten müsse. Damit war mein Argument, mit dem ich mich selbst immer vom Veganismus abhielt, hinfällig. Demnach gab es da nur die eine Konsequenz, vegan.
Da mein Kühlschrank aus Gründen aktuer Faulheit eh nie der vollste war, gab es auch nicht viel, was noch aufgegessen werden musste. Und ab da ging es los, es war für mich wie der Aufbruch in einer neue Welt. Ich beschäftigte mich, häufig noch sehr naiv, mit Ernährung, was kann ich essen, was besser nicht. Ich lernte langsam, aber ich lernte. Natürlich gab es Fehlkäufe, aber davon kann sich wohl kaum jemand freisprechen. Noch heute passiert es, nur dass ich mich heute noch mehr darüber ärgere, konnte man es doch damals noch als Unwissenheit abtun.

Erst mit dem Veganismus kam bei mir auch immer mehr das Verständnis für Tierrechte und ich kam immer mehr zu der Einsicht, dass ich mich nicht auf die Straße stellen kann, dass ich nicht eine Ende von Ausbeutung und Unterdrückung fordern kann, wenn ich selbst nicht besser bin, nur eben bei nicht-menschlichen Lebewesen. Nach und nach drang ich tiefer in diese neue, aufregende Welt ein. Es waren schreckliche Dinge, die ich sah und erfuhr, aber ich war bei jeder neuen Information überzeugter und erfreuter, dass ich jetzt vegan lebe.

Die Gegenwart

Auch heute habe ich nicht ausgelernt in Sachen Veganismus. Es gibt immer noch neue Felder, die sich eröffnen, immer neue Informationen. Sie kommen nicht mehr so erschlagend, aber sie kommen. Und ich versuche, so konsequent zu sein, wie es mir eben möglich ist. Ich versuche, soweit eben möglich, alles zu vermeiden, auch wenn das in einer Gesellschaft, die auf Tierausbeutung aufbaut, nicht immer einfach ist und mit Sicherheit auch nicht immer geht. Ich möchte versuchen, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben. Darum habe ich auch diese Seite eingerichtet. Denn warum soll ich Produktanfragen stellen, wenn ich sie dann für mich behalte? Jeder Mensch, dem ich auf dem Weg zum veganen Leben helfen kann, ist ein Erfolg. Für mich, für diesen Menschen und allem voran für die Tiere.

3 Kommentare

  1. Bewegende Geschichte, konnte mich teilweise wiedererkennen 😉
    Danke für den offenen Bericht, ließt sich super!

  2. Gefällt mir und das unterschreibe ich!

  3. Für mich war auf dem Weg zum veganen Leben ein Schlüssel, dass man darauf achtet dem Körper trotzdem alles zu geben, was er braucht. Das ist bei mir vor allem gutes Protein gewesen. Der Heißhunger auf Milchprodukte hat sich erst gelegt, nachdem ich MAP Aminosäuren in meine tägliche Versorgung eingeplant habe… Danke für deinen Bericht und die tolle Arbeit, die Welt veganer werden zu lassen.

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