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Vegane Tierernährung – Eine Homestory

Vegane Ernährung von Hund und Katze

Diesen Artikel hat meine bezaubernde Freundin über unsere beiden ebenso bezaubernden Mitbewohner geschrieben. Danke für die Arbeit!

Morgy wird vegan

Unser Hund MorgyVor über 3 Jahren nahm ich eine kleine französische Bulldogge namens Morgan zu mir. Er hatte im Tierheim sowie auf einer Pflegestelle bereits Monate auf ein neues Zuhause gewartet!

Wir lebten schon etwa ein Jahr zusammen, als ich mir eines Tages einen Film ansah, den mir meine Schwester sehr ans Herz gelegt hatte. Dieser Film sollte, so wie er es schon Wochen zuvor bei ihr getan hatte, auch mein Leben von Grund auf verändern. Ich entschied mich, vegan zu leben.

Im Konflikt zu meiner neuen Lebensweise, ernährte ich Morgan zunächst weiterhin mit Fleischfutter. Je mehr ich mich aber mit dem vegan sein beschäftigte und mich in das Thema einlas, veränderte sich auch mein Gewissen gegenüber der Art und Weise, wie ich ihn fütterte, enorm. Ich fühlte mich schlecht damit, dass ich ihm etwas zu essen gab, für das andere Individuen ausgebeutet und getötet wurden. Unschuldige Wesen landeten in seinem Napf, die genau so ein Leben wie mein Morgy verdient hatten und es fühlte sich zunehmend falsch an.

Deshalb wollte ich etwas daran ändern. Natürlich traf ich diese Entscheidung nicht leichtfertig und hatte Angst, dass er nicht genügend Nährstoffe bekommen und ich ihm dadurch Schaden zufügen könnte. Im Vorfeld habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, Pro und Contra recherchiert, sowie Artikel und Berichte gelesen. Nächtelang. Das Ergebnis klang kinderleicht und stand fest: Morgan soll auch vegan werden!

Die ersten Reaktionen meiner Umwelt gingen von Aussagen wie: „Das ist ja Tierquälerei“, über Spekulationen bzgl. seines vermutlich kurz bevorstehendes Ablebens, sowie der Frage, ob es artgerecht sei, bis hin zu der Äußerung, ich würde ihm meinen Willen bzw. meine Moral aufzwingen und das diese Art der Ernährung für ihn unnatürlich sei! Es gab aber auch die harmlose Frage: „Geht das überhaupt?“

Je mehr ich mich mit dem Thema befasste, wurde mir klar: Dosen- und Trockenfutter, aus zerkleinerten Leichenteilen und Schlachtabfällen, oft noch mit Zucker versetzt, ist auch keineswegs natürlich oder artgerecht. Ebenfalls nicht, dass er in einer Wohnung lebt und ich ihm täglich ein Geschirr für seine Spaziergänge umbinde und seinen Kot mittels kleiner Plastiktütchen aufsammle. Mal ganz abgesehen davon, dass wir unsere ‘Haustiere’ durch spezielle Züchtung sowieso vieler natürlicher Verhaltensweisen beraubt haben. Hierzu sei angemerkt, dass es für die Spezies Mensch ebenso unnatürlich ist, sich in Flugzeuge zu setzen und damit um den Erdball zu fliegen.

Ich las, dass es wichtig ist, dass das Futter bestimmte Proteine beinhaltet. Diese Proteine bestehen aus Aminosäuren. Alle essentiellen Aminosäuren kommen ebenfalls pflanzlich vor und werden ebenso gut verwertet wie jene aus tierischem Eiweiß. Zu finden sind sie, unter Anderem, in Hülsenfrüchten, Getreide, Soja und Lupinen.

Darüber hinaus sind Vitamin B12 (regeneriert die roten Blutkörperchen und erhält ein gesundes Nervensystem) und Vitamin D (für gesunde Knochen und ein intaktes Immunsystem) und natürlich Kohlehydrate sehr wichtig. Fälschlicher Weise gehen viele Menschen davon aus, dass Hunde nicht in der Lage sind, Kohlehydrate zu verdauen, da ihnen ein Enzym namens Amylase fehlt. Richtig ist aber, dass Hunde dieses Enzym ebenfalls selbst produzieren können. Beim Hund wird dies Enzym jedoch in der Bauchspeicheldrüse produziert und nicht, wie beim Menschen, bereits im Mund.

Fakt ist, vom Fleischfutter ging es ihm nicht gut. Er hatte oft Bauchweh und fiese Blähungen. Während meiner Recherchen hatte ich herausgefunden, dass diese Beschwerden durch die Übersäuerung, einhergehend mit der Fleischfütterung, kommen können. Nebst weiteren unappetitlichen und grausamen Informationen über die Herkunft, der zu seinem Futter verarbeiteten Tiere, bzw. Schlachtabfälle.

Also fingen wir an, die verschiedenen veganen Hundefuttersorten auszuprobieren.

Von Amidog, Benevo und Yarrah, die wir jeweils über einige Zeit getestet haben, befanden wir gemeinsam das Amidog für das Beste! Keine Püpse und wenn, nur geruchlos, bei normaler Verdauung. Benevo Trockenfutter fand er zuerst toll und war ganz verrückt darauf – Auch hier gab es keine Bauchweh und er hat es bestens vertragen. Doch dann wurde es auf einmal langweilig und er ließ es stehen. Yarrah mochte er schon nicht riechen und ganz im Gegensatz zu den anderen Futtersorten pupste er auch wieder enorm. Zudem war es geradezu erschreckend, dass er unheimlich oft und dringend sein großes Geschäft erledigen musste – der ‘Output’ stand in keiner Relation zur verfütterten Menge.

Welches Futter am besten vertragen wird, muss man ausprobieren, da jeder Körper verschieden auf die Inhaltsstoffe reagiert.

Schon kurze Zeit nach der Umstellung habe ich bemerkt, dass sein Fell sehr glänzt und seine Haut zu keiner Jahreszeit mehr schuppig ist. Genetisch bedingte Rücken- oder Schulterschmerzen, die er vor seiner Ernährungsumstellung hatte, machen sich nur noch bei starker Belastung bemerkbar. Er ist ein rundum gesunder Hund.

Wer sich fragt, warum er überhaupt bei Veganern lebt, wo die doch für die Befreiung der Tiere sind, dem sei gesagt, dass er weder vom Züchter, noch vom Händler abgekauft wurde. Sondern er war einfach übrig. Er ist aus dem Tierheim – abgegeben, wegen Überforderung. Ich gehe davon aus, dass hiermit auch böse Zungen beruhigt werden konnten, die mir vorgeworfen haben, ich würde eine Doppelmoral leben und jemanden zu meiner „persönlichen Belustigung halten“.

Und dann kam Kater Joschi

Unser Kater JoschiJoschi wurde aus schlechter Haltung in ein liebevolles Zuhause aufgenommen. Doch schon bald ging es ihm in seinem neuen Heim massiv an den Kragen – von den 2 Katzen-Damen, die das Hausrecht für sich beanspruchten. Die sonst so zauberhaften Wesen ließen keine Möglichkeit aus, den Kater zu mobben. Nach einiger Zeit wurde die Situation so schlimm, dass keine andere Wahl blieb: Joschi musste erneut umziehen. Doch es fand sich Niemand. Ich hatte seine Geschichte aufgeregt mitverfolgt und ebenfalls erfolglos versucht, eine neue Bleibe für ihn zu finden. Mehr oder minder von meiner eigenen Aussage überrascht, sagte ich zu, ihn aufzunehmen und so zog er kurz darauf bei uns ein. Mein erster Kater. Er kam mit einem riesigen Kratzbaum, Katzentoiletten, Spielzeugen, Näpfen und Dosen. Voller Fleisch. Da war es wieder.

Einige Zeit fütterte ihn noch mit seinem mitgebrachten Essen, doch auch hier schnürte sich nach kurzer Zeit meine Kehle zu und ich begann wieder zu lesen.

Wie ich feststellte, schieden sich auch hier sehr stark die Geister, ob die vegane Ernährung eines Fleischfressers möglich sei. Während ich noch bei den Recherchen über vegane Ernährung von Hunden auch auf positive Argumente über diese Art der Fütterung gestoßen war, wurde im Umkehrschluss die vegane Katzenernährung fast ausschließlich als unmöglich abgetan. Erneut die selben Aussagen: Es sei nicht artgerecht, es sei Quälerei und ‘unnatürlich’. Wobei es mich sehr störte, dass hier oft ‘artgerecht’ mit ‘als einzig richtige Weise und zwar die Fütterung mit Fleisch’ gleichgesetzt wurde. So fragte ich mich und den Kater, was ‘joschi-gerecht’ sei – denn er liebt jede Speise und führt kunstvolle Tänze beim Betteln auf, egal bei welchem Futter.

Ich verschlang also weiter Seite um Seite und saugte alle Informationen auf. Bis ich auch auf positive Erfahrungsberichte stieß und zu dem Entschluss kam: wir probieren es.

Nach allem, was ich gelesen hatte, war ich zu der Überzeugung gelangt, dass eine gesunde Ernährung nicht vom einem bestimmten Futtermittel abhängen sollte und konnte, sondern vielmehr davon, dass genug von allen lebenswichtigen Nährstoffen, wie beispielsweise Taurin, Methionin, Folsäure, Vitamine etc. in der Nahrung enthalten sind! Übrigens wird auch Fleisch- oder insbesondere Fischfutter das Taurin in synthetischer Form beigemengt, um Krankheiten vorzubeugen!

Ich fand heraus, dass sich die Ernährung einer Katze, im Vergleich zum Hund, erheblich unterscheidet. Bei Katzen ist es komplizierter, da diese mehr Eiweiß benötigen und ihr Körper zudem nicht die Fähigkeit besitzt, bestimmte Aminosäuren und Vitamine selbst aufzubauen bzw. aus veganer Nahrung zu entnehmen. Um eine optimale Versorgung mit allen Nährstoffen zu garantieren, müssen z. B. einem selbst zubereiteten Futter spezielle Zusätze beigefügt werden. Denn ein Mangel an Taurin kann unter anderem zu Herzmuskelschwäche, Blindheit, Wachstumsstörungen bei Welpen oder Jungkatzen führen und Immunschwächen begünstigen.

Zudem sollte das Futter magnesiumarm sein, um Blasenproblemen, wie Struvitkristallen, vorzubeugen. Um eine optimale Versorgung zu gewährleisten, kann man die Nahrungsergänzungen VegeCat und VegeYeast über diverse vegane Shops bestellen. Jedes Futter, selbstgemacht oder gekauft, wird damit wesentlich besser akzeptiert und für die Katze durch Vitamine und Säuerung des Urins aufgewertet.

Mittlerweile frisst Joschi sein Amicat schon fast ein Jahr lang. Er stürzt sich gerade zu darauf. Dabei ist es ein Glücksfall, dass er nahezu alles essen mag. Denn es kommt ja durchaus vor, dass die Samtpfoten bei neuem Futter, egal welcher Art, erst einmal blöd gucken, bevor sie es akzeptieren. Hier sollte man sich nicht zu früh entmutigen lassen, aus Angst, der Schützling könnte am vollen Napf verhungern. Auf keinen Fall, sollte das Tier zu etwas gezwungen werden. Wird das Futter tatsächlich nicht gegessen, kann man eine allmähliche Umstellung durchführen, indem man einige Zeit noch etwas vom gewohnten Futter untermischt.

Ich habe mich ständig weiter informiert (auch über Katzen-verträglichen Tofu z.B. – hier ist das Gerinnungsmittel entscheidend) und möchte, neben dem Trockenfutter, in Zukunft ebenfalls auch Futter selbst zubereiten – weil die beiden ganz versessen auf ‘Hausmannskost’ sind. Die Rezepte hierzu werde ich gerne weitergeben, sobald ich sie ausreichend getestet habe.

Die Studie über vegane Tierernährung

Auf der Seite einer Tierrechtsaktivistin las ich über die Doktorarbeit einer veganen Tierärztin. Diese suchte Probanden für eine Studie. Es sollten hierfür der allgemeine Zustand sowie das Blut von veganen Hunden und Katzen untersucht werden, um Vergleiche mit nicht vegan ernährten Artgenossen anzustellen. Da ich sowieso die Blutwerte routinemäßig kontrollieren lassen wollte, nahm ich Kontakt zu ihr auf.

Morgy hatte zuvor in einer Praxis sehr schlechte Erfahrung gemacht, insbesondere mit den schlagkräftigen Argumenten einer Tierärztin. Daher entschied ich mich für den stressfreien Hausbesuch und die Proben wurden daheim genommen. Joschis Blut wurde in einer Klinik in der Nachbarschaft genommen und zusammen mit Morgys Proben eingeschickt. Diese Ergebnisse stellte ich für die Studie zur Verfügung und zum Dank wurden sogar die Kosten übernommen!

Nun hatte ich es „schwarz auf weiß“ – Beide sind (bis auf eine genetisch bedingte Blutgerinnungsstörung beim Kater) gesund und die Werte durchschnittlich gut. Joschis Blutfettwert weicht derzeit noch etwas vom Normalbereich ab. Schuld daran bin ich. Für die bessere Haarausscheidung habe ich ihm ab und an etwas Fett ins Futter gegeben. Dies habe ich nun komplett ersetzt, indem ich ihm hierfür nur noch Katzengras zur Verfügung stelle.

Abschließende Worte

Es ist also durchaus möglich, auch Hunde und Katzen mit veganer Kost gesund und vor allem ethisch vertretbarer zu ernähren. Die Tiere, die in diesem Haushalt leben, sind nun nicht mehr die Mülleimer unserer Überflussgesellschaft!

 

Unsere beiden sind auch auf Facebook und posten dort fleißig:
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