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Im Interview: Janina und Oliver Hülsemeyer

Im Interview: Janina und Oliver Hülsemeyer

Selbständig mit Veganismus

Als erste Interview-Partner für unsere neue Rubrik »Menschen« standen Janina und Oliver Hülsemeyer aus Hamburg Rede und Antwort. Ich habe die beiden im Bevegend in Hamburg besucht und befragt. Wer die beiden sind und was sie genau tun, das erklären sie euch aber am besten selbst. Hier das Interview:

Vegan 4 Love: Hallo ihr zwei, stellt euch doch vielleicht erstmal vor

Janina: Mein Name ist Janina Hülsemeyer, ich bin 28 Jahre jung und ich bin Geschäftsführerin vom Befried und vom Bevegend auf St. Pauli.

Olli: Ich bin Oliver Hülsemeyer und bin ebenfalls Geschäftsführer vom Befried und vom Bevegend.

Vegan 4 Love: Wann genau seid ihr beide vegan geworden und was waren eure Beweggründe?

Olli: Ich war bereits seit 1997 Vegetarier und bin dann ca. 2004 aus ethischen Gründen vegan geworden. Eine Art Schlüsselerlebnis gab es damals für mich nicht, es war für mich einfach eine konsequente Weiterentwicklung. Damals ging die Sache mit dem Internet auch erst so richtig los, dass man dort viele Informationen bekommen hat, was Ende der 90er noch nicht so einfach war.

Janina: Ich bin mit 16 Vegetarierin geworden und dann Anfang 2007, ca. ein halbes Jahr nachdem ich Olli kennengelernt habe, bin ich dann Veganerin geworden. Zuerst aus Bequemlichkeit und später dann auch aus ethischen Gründen.

Vegan 4 Love: Du wurdest aus Bequemlichkeit Veganerin? Das ist doch für gewöhnlich eher ein Gegenargument

Janina: Wir hatten Anfangs eine Fernbeziehung und wenn ich für das gemeinsame Wochenende einkaufen war, hatte ich keine Lust, für Olli eine Extra“wurst“ zu kaufen und für mich meins. Dann habe ich einfach vegan eingekauft, dann konnte Olli jederzeit kommen. So hat sich das dann entwickelt. Ich bin Olli da ziemlich dankbar, dass er mich auf diesen Weg gebracht hat. Vielleicht wäre das aber irgendwann auch so noch gekommen.

Vegan 4 Love: Wie war das für euch persönlich? Fiel euch das leicht? Olli, Du sagtest, damals gab es noch nicht soviel im Internet wie heute, das hieß wahrscheinlich erst mal, viel selber kochen. Eine große Auswahl an Fertiggerichten gab es 2004, soweit ich mich erinnere, noch nicht so wirklich, richtig?

Olli: Es gab generell nichts, es gab keinen Käse. Ich hab einfach gar nichts gegessen. Aber den Cheezly-Käse gibt’s schon ziemlich lange. Das war damals der erste, aber der war auch eher abschreckend. Und die ganzen Würstchen damals waren alle auf Tofu-Basis und ziemlich weich und matschig und nicht wirklich geil.

Janina: Wir haben damals einfach viel Nudeln gegessen mit Soße und Gemüse. Das mit dem selber kochen hat sich dann mit der Zeit gezwungenermaßen entwickelt und das hat anscheinend dafür gereicht, dass wir jetzt einen Imbiss eröffnet haben.

Vegan 4 Love: Wie hat euer Umfeld damals auf die Veränderung reagiert?

Olli: Gar nicht so wirklich, ich glaube die haben das damals alle als Spinnerei abgetan. Gerade als ich Vegetarier wurde, gab es eher so die Annahme, dass ich ja eh immer gegen alles sei und das nur aus Protest stattfinden würde. Die dachten wohl immer, das geht wieder vorbei.

Janina: Das war bei mir ähnlich. Das wurde damals aber nur von meiner Oma laut ausgesprochen, dass das ja so ein Modetrend sei und wann ich denn mal wieder Fleisch essen würde. Inzwischen sind unsere Eltern so, dass immer für alle vegan gekocht wird, wenn wir zu Besuch kommen.

Vegan 4 Love: Hat sich euer Freundeskreis durch die vegane Lebensweise verändert? Lernt man andere Leute kennen oder gab es welche, die euch deshalb sogar die Freundschaft gekündigt haben?

Janina: Das ist bei mir tatsächlich genau andersherum, dadurch, dass ich nach Hamburg gezogen bin. Ich komme ja ursprünglich aus Uelzen und bin dann zu Olli nach Hamburg gezogen. Heute denk ich mir teilweise, was waren das für Menschen, mit denen ich mich da rum getrieben hab. Aber heute haben wir gar keine Freunde, wir haben ja keine Zeit (lacht)

Olli: Ich bin in meinem Leben sowieso viel umgezogen. Ich bin von Köln nach Emden und von Emden dann nach Hamburg gekommen. Dadurch war es sowieso so, dass sich das Umfeld regelmäßig veränderte.

Vegan 4 Love: Kommen wir zu euren Läden. Was hat euch dazu bewogen, das Bevegend zu eröffnen?

Janina: Angefangen hat das im August 2012 mit dem Stand auf dem St. Pauli Nachtmarkt. Dazu bewogen hatte uns, dass wir uns darüber geärgert haben, dass überall vegane Supermärkte oder kleine Shops, beispielsweise in Dortmund und Hannover, eröffnet wurden, und Hamburg mal wieder nicht aus dem Arsch gekommen ist. Da wir uns anfangs den Mietenwahnsinn auf St. Pauli nicht antun wollten, haben wir überlegt, was wir praktisch, mit anfangs möglichst wenig Aufwand, abgesehen vom zeitlichen, umsetzen können und haben uns dann zunächst für den Marktstand entschieden. Und dann haben wir die Einrichtung in der Balduinstraße entdeckt. Und weil es ja dann auch zum Winter hin ging und es kälter wurde, haben wir den Laden eröffnet.

Vegan 4 Love: Hattet ihr anfangs Sorgen, dass euer Laden nicht angenommen wird? Zumal es zu dem Zeitpunkt ja bereits eine recht große Auswahl an gut ausgestatteten Online-Shops gab

Olli: Das war ja mit einer der Gründe, warum wir das gemacht haben. Die Leute hatten wenig Lust, immer alles im Internet zu bestellen, weil die auch mal die Sachen in die Hand nehmen wollten, mal gucken, wie das aussieht und das dann einfach mal probieren wollten. Deswegen war da eigentlich keine Angst, dass das nicht ankommt. Und der finanzielle Aufwand war zum Glück auch nicht so groß, dass es schlimm gewesen wäre, wenn wir nach einem halben Jahr wieder hätten schließen müssen. Wir haben ja nichts riskiert, da wir nebenher weiter gearbeitet haben.

Janina: Das hat man ja auch an den Öffnungszeiten gesehen, wir hatten Anfangs teils nur von 15 bis 20 Uhr geöffnet. Zunächst haben wir nebenbei noch voll gearbeitet und später haben wir bei unseren Jobs die Stunden ein wenig reduziert.

Vegan 4 Love: Kommen wir zum Befried, selbe Frage: Was hat euch bewogen, den Imbiss zu eröffnen?

Olli: Das war im Grunde dasselbe Schema. Es gab dieses Angebot in Hamburg so noch nicht. Es gibt zwar immer mehr vegane Optionen in allen möglichen Läden aber kaum was rein veganes und wenn, dann ist es oft zu teuer oder rein in die Gesundheits-Richtung.

Janina: Das entspricht nicht so ganz unserem Sinne von vegan sein.

Olli: Und außerdem haben wir die Illusion, dass wir mit leckerem veganen Essen, das nicht veganem Essen in nichts nachsteht, auch den ein oder anderen Fleischesser überzeugen. Das passiert jetzt teilweise schon, wir haben teils schon Stammkunden, die im Umkreis wohnen, und die eigentlich omnivor leben, die aber trotzdem bei uns essen, weil es ihnen schmeckt.

Vegan 4 Love: Überlegen solche Kunden, denn auch vegan zu leben oder kommen die teilweise auch, weil vegan gerade trend ist? Wie seht ihr die Chance, mit solchen Läden Leute „umzukrempeln“?

Janina: Dieses umkrempeln ist immer sehr schwierig. Was schon mal ganz gut ist ist, dass die Leute kommen und merken, das vegane Essen ist echt gut und schmeckt richtig lecker, auch wenn es jetzt nicht ultra gesund ist. Natürlich ist es schon irgendwie gesund, aber wir verkaufen ja nun keine Grünkern-Burger oder so, sondern eben Fast Food. Das ist ein bisschen auch das, was ich mit dem Laden bezwecken wollte, dass die Leute kommen und sagen, vegan sein ist halt toll und lecker und dass sie sich dann selber umkrempeln. Ich habe über die Jahre gelernt, dass es nichts bringt, hinter den Leuten mit erhobenem Zeigefinger her zu rennen –  leider.

Vegan 4 Love: Das Thema ist ja immer mehr in den Medien und wird publiker. Könnt ihr feststellen, dass es eine gesteigerte Nachfrage im Bereich Veganismus gibt? Unter anderem auch durch so Menschen wie den recht umstrittenen Attila Hildmann?

Janina: Also wir haben schon Kunden im Befried, die seine Challenges machen, die dann am nächsten Tag ’ne Extrarunde laufen. Aber um die Nachfrage generell zu beurteilen, sind wir mit dem Befried noch zu früh am Anfang.

Olli: Im Bevegend ist eher das Gegenteil festzustellen, da es durch die größere Nachfrage auch ein größeres Angebot gibt. In fast jedem Supermarkt gibt es inzwischen ein veganes Regal.

Vegan 4 Love: Vermisst ihr noch irgendwas an Angeboten? Also spezielle Lebensmittel, Läden, irgendwas in die Richtung?

Olli: Eigentlich nicht. Es gibt alles und was es nicht gibt, das macht man ja inzwischen selbst.

Janina: Vielleicht so Sachen wie Toffifee oder Raffaello. Es gibt im Internet zwar ein Rezept für Toffifee, aber ich hatte bisher keine Zeit, welche zu machen.

Olli: An Süßigkeiten fehlt schon ein bisschen was. Twix zum Beispiel oder Lion.

Vegan 4 Love: Was würdet ihr EinsteigerInnen empfehlen?

Olli: Die entsprechenden Läden aufsuchen und sich beraten lassen oder auch entsprechende Restaurants aufsuchen und probieren.

Vegan 4 Love: Was sollte jede/r VeganerIn einmal im Leben gemacht haben?

Olli: Frittierten Schokoriegel essen.

Janina: Kann ich nicht sagen. Diese ganzen Veganer-Filme gucke ich mir nicht an, davon schlaf ich nur schlecht.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den beiden für das nette Interview. Das Bevegend und das Befried gibt es auch auf Facebook.

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Ein Kommentar

  1. Janina und Oliver Hülsemeyer = dem Olli sei der Himmel gnädig und

    der Janina wünschen wir einfach unser aufrichtiges Beileid und ganz viel Kraft für die kommende Zeit!

    Euer Essen war der Hit

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